10/11.07.99 · Rødby - Soest · 57,4 km
 


Gegen 10 Uhr standen wir auf und machten uns langsam fertig für unseren letzten Tag on Tour. Da die Hitze auf dem Campingplatz und die Langeweile stiegen, entschieden wir uns dafür, schon jetzt Richtung Rødbyhavn aufzubrechen, um von dort per Fähre überzusetzen.
Die 5km schlechten Fahrradweg brachten wir da locker hinter uns und reihten uns in Rødbyhavn gleich in die Autoschlange ein, um auf die Fähre zu gelangen. Um 12:45 nahmen wir die Scandlines-Fähre "Schleswig-Holstein", die uns nach 45 Minuten Fahrt schließlich nach good old Germany zurück, genauer auf die Ostseeinsel Fehmarn bringen sollte. Während der Fahrt gönnten wir uns mit unseren letzten dänischen Kronen noch einige Leckereien an Bord (Cheeseburger, Pommes Frites, ...) und baten einen nicht deutsch sprechenden Dänen doch ein Foto von uns an Deck zu machen. Hannes wollte seine Frisur noch in Form brigen, doch da war es schon zu spät. Der Däne hatte abgedrückt und mit seinen dicken Wurstfingern für uns etwas zu schnell den Knopf gefunden. Das Ergebnis seht Ihr auf dem Foto. Nun gut, nachdem uns Alex, der angehende Seglerschein-besitzer, viel Interessantes (gäähhn!) bezüglich Strömung und Wind erzählte (wir 3 anderen glaubten nämlich nicht daran, daß der Käptain mit dieser Richtung die Hafeneinfahrt treffen würde; "Ist der blau, oder was macht der da ?!") , kamen wir endlich (glücklich wieder deutschen Boden unter den Füßen zu spüren) auf Fehmarn an.

Daniel, der schon mehrmals hier Urlaub gemacht hatte entwickelte sich gleich als Anführer durch die etwas unsinnigen Straßenverbindungen der Insel. Wir fuhren zunächst zwar nochmal zur Mole, um unserem Schiff "goodbye" zu sagen und ein paar doofe Deutsche zu beobachten; doch dann wendeten wir uns mit unseren Rädern dem Strand zu. Die unsinnige Straßenführung (kein direkter Weg zum Strand) fürhte uns in weitem Wege über die Landstraße endlich zum Strand, von dem wir uns eigentlich mehr versprochen hatten. Der Wind blies uns den Sand direkt ins Gesicht und in die Augen, doch eine etwas entfernet Bank entwickelte sich dann als Raststätte, an der wir ein paar Stunden verweilten. Während Hannes und Dennis nach dieser langen Zeit ohne Weltinfos einige deutsche Nachrichten per Walkman zu empfangen versuchten und nebenbei die Schafe nebenan ärgerten, schauten Alex und Daniel mal im Strandcafé vorbei, wo die beiden sich doch glatt ne Friture reinschoben.

Gegen 16 Uhr brachen wir dann wieder auf in Richtung Bahnhof und nahmen wieder den langen Umweg über die Landstraße, da wir unseren Rädern nicht zumuten wollten durch den Sand zu fahren (nicht wahr, Hannes?). Der Bahnhof entwickelte sich wieder einmal als "super-fahrradfreundlich" (ironisch), denn riesige Treppen und ein Verbot die Gleise zu überschreiten stellten sich als große Hindernisse heraus. Aber wir waren ja auch vorher nichts anderes von der Bahn gewohnt. So trugen Hannes, Daniel und Alex ihre Räder mit allem Gepäck die Treppen rauf und runter, während Dennis sich doch glatt über das Verbot hinwegsetzte und sein Bike über die Gleise trug ("Hat ja grad keiner hingeguckt").

Da warteten wir dann bis um 19.11 Uhr unser Zug abfuhr. Er sollte uns von Puttgarden (Fehmarn) über Lübeck nach Hamm bringen. Während der Fahrt hatten wir das Glück noch eine liegengebliebene Zeitung mit den 4 großen Buchstaben gefunden und gelesen zu haben ("Da steht immer der selbe Müll drin") und um 20.45 waren wir dann in Lübeck. Das Treppauf Treppab waren wir hier ja schon gewohnt und so langsam schlich sich Routine ein. Hannes und Daniel nutzen mal wieder das Gepäckband neben der Treppe, um Ihre Räder mit viel Kraftaufwand hoch und runter zu transportieren, während Alex und Dennis da mehr Handarbeit machten. Dann war es soweit: 2 Stunden auf dem Lübecker Bahnhof rumkriegen! Denn unsere tolle Zugverbindung sah vor, daß der nächste Zug nach Hamm erst gegen 22.45 Uhr hier abfuhr. Nun gut, essen, das Klo besuchen, lesen, Radio hören. Das alles rettete uns über die Zeit. Grad als unser Zug einrollte kam natürlch die beste Technomucke im Radio, passend zur Love Parade, die an diesem Tag stattfand, zu der Hannes und Dennis noch kurz auf dem Bahnsteig ab"dance"ten. Schnell Fahrräder verstaut und schon ging es los, der Heimat entgegen. Unsere gute Laune wurde aber schon bald getrübt. Denn die "Schaaf"nerin teilte uns mit, daß noch 3 weitere Fahrräder reserviert hätten und wir also unsere "Bagage" möglichst platzsparend zusammenquetschen sollten. Nun das ging ja gerade noch. Die 3 Räder fanden noch Platz, doch dann stiegen noch weitere 3 Leute mit Rädern ein ("Au scheiße, wie soll das denn gehen"). Mitgenommen werden mußten die, denn sie hatten eine Ausnahmegenehmigung (ui!). Völlig genervt versuchten wir unseren Laune mit lustigen Alex-sein-Schuhband-verknoten-Spielchen wieder etwas zu steigern (Alex war davon nicht so begeistert!). Zwischendurch gönnten wir uns dann noch etwas Ruhe, wobei diese beiden Bilder hier entstanden:

 

Um 2:55 kamen wir dann endlich in Hamm an, wo wir unsere 4 Räder erstmal aus dem Zug rausbekommen mussten. Irgendwie haben wir es dann doch geschafft und machten uns auf dem Bahnsteig bereit für unsere Ehrenrunde, unsere Abschlußetappe von Hamm nach Soest. Der diesmal funktionierende Aufzug ersparte uns das lästige Treppen-runter-schleppen. Dann noch schnell den Ausgang gefunden und los ging es mitten in der Nacht auf Autoleeren Straßen nach Soest ("Mann, die haben ja extra für uns alle Straßen gesperrt!"). Währenddessen ging uns natürlich mal wieder Alex verloren, der angeblich Probleme mit seinem Hinterrad hatte und deshalb nicht so recht vorankam. ("Mann, wo bleibt der denn, wie kann man nur so langsamfahren!"). Mit der Hoffnung, daß Alex den Weg nach Soest alleine findet, machten Hannes, Daniel und Dennis sich im Höchsttempo gen Soest auf. So schnell waren wir, daß sogar Dennis' Dynamo da nicht mehr mitkam und wie wild anfing zu rattern. Nun gut, es ging auch ohne, und so fuhren wir 3 (wir schafften die 32 km in 1,5 Std.) und Alex irgenwo da hinten dem Sieg entgegen. Im Osten färbte sich der Himmel schon etwas gelb-rot und der Mond begrüßte uns zurück im Kreis Soest. Um 4.30 Uhr sahen wir dann das Ortsschild "Soest" und unser Tacho zeigte die ehrwürdige Kilometerangabe »1200 km«. Nach langem Warten auf Alex posierten wir dann für dieses Siegerfoto, daß zugegeben nicht so gut gelungen ist, wie erhofft:

Danach fuhren wir nach 19 ereignisreichen Tourtagen singend durch Soest, bevor sich unsere Wege schließlich trennten. Alex fuhr in die Stadt Richtung Wiesenkirche nach Hause. Daniel Richtung Stadtkrankenhaus zu seiner Oma. Und Hannes und Dennis fuhren gemeinsam gen Baugebiet50 im Soester Süd-Westen.
Doch wir alle waren zufrieden mit unserer Skandinavientour Soest-Oslo-Soest, die uns durch Schweden, Norwegen, Dänemark und natürlich Deutschland führte. Auch wenn wir keinen Elch gesehen haben und das Wetter in Schweden nicht ganz so toll war, werden wir uns sicher noch lange an unsere gemeinsame Fahrradtour erinnern.