Nach
einer sehr unruhigen Nacht weckt uns Hannes' Wecker schon
kurz nach 6 Uhr. Wir räumten unsere Sachen schnell ein,
so daß wir die Hütte gegen 7 Uhr verließen. Puh, diese
Nacht hatten wir überstanden! Wir waren aufgrund der
Nacht sehr müde. Das Wetter war weiter diesig und einige
leichte Anstiege machten uns zu schaffen. Da wir jetzt
den 6sten Tag in Folge regnerisches Wetter hatten, gingen
uns so langsam die trockenen Anziehsachen aus. So machten
wir uns mal wieder Hoffnung mit dem Spruch der Fahrt
"Dahinten wird's schon wieder heller!!" Kurz
darauf verschwand die Straße, auf der wir fuhren
plötzlich in einem Tunnel, neben dem das Schild
"für Radfahrer verboten" stand. Da unsere
Hemmschwelle den Gesetzten gegenüber schon letzte Nacht
erheblich gesunken war und wir keine Lust auf einen
langen regnerischen Umweg hatenn, knipsten wir unsere
Dynamos an und drangen ein, in den dunklen Tunnel. Dieser
stellte sich dann als gar nicht so lang heraus, so daß
wir schon bald wieder das Tageslicht erblickten. Die
Stimmung stieg erst während unseres Frühstücks bei
einem ICA (schwedische Einkaufskette, wo Hannes seinen
Fjällbrynt-Käse entsorgte), wo lustige
Mitteilungszettel an die dortige Pinnwand geklebt wurden
("Call Me! I'm Impotent! Alex Finker,
Tyskland"). Im Tagesverlauf klarte sich das Wetter
auf, sogar ab und zu waren ein paar Sonnenstrahlen
sichtbar. Wir mussten zwar öfters als uns lieb war auf
die E6 ausweichen, aber insgesamt schafften wir an diesem
Tag sehr viele Kilometer, da wir Henån so früh
verlassen hatten. An der Landschaft konnte man nun
deutlich erkennen, daß wir unserem Ziel in Norwegen
schon sehr nahe waren. Am Nachmittag schauten wir uns die
3000 Jahre alten Felszeichnungen von Tanumshede an, die
uns nicht sonderlich beeindruckten. Als wir weiterfuhren
hing Alex mal wieder unserem Tempo hinterher. Also
dachten wir uns, daß wir uns mal verstecken könnten, um
ihn anschließend wieder zu überholen. Doch Alex kam gar
nicht!! Nach einer geschlagenen halben Stunde Wartezeit
(für den Weg seit Tanum benötigten wir gerademal 10
Minuten) hielten wir Autos an und fragten, ob sie einen
Radfahrer gesehen hätten, aber niemand konnte uns
weiterhelfen. So fuhr Hannes mit einer hilfbereiten alten
Schweden mit ihrem Auto den Weg nocheinmal ab, aber auch
nach 40 Minuten war Alex unauffindbar. Gerade in dem
Moment, wo die freundliche Schweden die Polizei
benachrichtigen wollte, tauchte Alex fröhlich pfeifend
wieder auf, mit der Entschuldigung, er hätte trotz Karte
nicht gewusst wo's lang geht und einfach in Tanum auf uns
gewartet. Nach so viel Aufregung fuhren wir nicht mehr
weit, sonst hätten wir wahrscheinlich noch mehr
Kilometer an diesem Powertag gefressen. So campten wir illegal,
was uns nun auch nicht mehr störte, im Wald am See
Färingen. Mit über 130km hatten wir aber dennoch einen
neuen Rekord aufgestellt und waren nur noch wenige
Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Hannes
badete noch im See. Die anderen schrieben Briefe oder
hörten Walk-Man. Der Tag endete mit unserem gemeinsamen
Abendessen auf einem Felsen am See. In der Nacht störte
uns zwar die eine oder andere Wurzel, da wir ja mitten im
Wald zelteten, doch diese Nacht war auf jeden Fall
erholsamer als die letzte.
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