30.06.99 · Henån - See Färingen (noch in Schweden) · 131,5 km
 


Nach einer sehr unruhigen Nacht weckt uns Hannes' Wecker schon kurz nach 6 Uhr. Wir räumten unsere Sachen schnell ein, so daß wir die Hütte gegen 7 Uhr verließen. Puh, diese Nacht hatten wir überstanden! Wir waren aufgrund der Nacht sehr müde. Das Wetter war weiter diesig und einige leichte Anstiege machten uns zu schaffen. Da wir jetzt den 6sten Tag in Folge regnerisches Wetter hatten, gingen uns so langsam die trockenen Anziehsachen aus. So machten wir uns mal wieder Hoffnung mit dem Spruch der Fahrt "Dahinten wird's schon wieder heller!!" Kurz darauf verschwand die Straße, auf der wir fuhren plötzlich in einem Tunnel, neben dem das Schild "für Radfahrer verboten" stand. Da unsere Hemmschwelle den Gesetzten gegenüber schon letzte Nacht erheblich gesunken war und wir keine Lust auf einen langen regnerischen Umweg hatenn, knipsten wir unsere Dynamos an und drangen ein, in den dunklen Tunnel. Dieser stellte sich dann als gar nicht so lang heraus, so daß wir schon bald wieder das Tageslicht erblickten. Die Stimmung stieg erst während unseres Frühstücks bei einem ICA (schwedische Einkaufskette, wo Hannes seinen Fjällbrynt-Käse entsorgte), wo lustige Mitteilungszettel an die dortige Pinnwand geklebt wurden ("Call Me! I'm Impotent! Alex Finker, Tyskland"). Im Tagesverlauf klarte sich das Wetter auf, sogar ab und zu waren ein paar Sonnenstrahlen sichtbar. Wir mussten zwar öfters als uns lieb war auf die E6 ausweichen, aber insgesamt schafften wir an diesem Tag sehr viele Kilometer, da wir Henån so früh verlassen hatten. An der Landschaft konnte man nun deutlich erkennen, daß wir unserem Ziel in Norwegen schon sehr nahe waren. Am Nachmittag schauten wir uns die 3000 Jahre alten Felszeichnungen von Tanumshede an, die uns nicht sonderlich beeindruckten. Als wir weiterfuhren hing Alex mal wieder unserem Tempo hinterher. Also dachten wir uns, daß wir uns mal verstecken könnten, um ihn anschließend wieder zu überholen. Doch Alex kam gar nicht!! Nach einer geschlagenen halben Stunde Wartezeit (für den Weg seit Tanum benötigten wir gerademal 10 Minuten) hielten wir Autos an und fragten, ob sie einen Radfahrer gesehen hätten, aber niemand konnte uns weiterhelfen. So fuhr Hannes mit einer hilfbereiten alten Schweden mit ihrem Auto den Weg nocheinmal ab, aber auch nach 40 Minuten war Alex unauffindbar. Gerade in dem Moment, wo die freundliche Schweden die Polizei benachrichtigen wollte, tauchte Alex fröhlich pfeifend wieder auf, mit der Entschuldigung, er hätte trotz Karte nicht gewusst wo's lang geht und einfach in Tanum auf uns gewartet. Nach so viel Aufregung fuhren wir nicht mehr weit, sonst hätten wir wahrscheinlich noch mehr Kilometer an diesem Powertag gefressen. So campten wir illegal, was uns nun auch nicht mehr störte, im Wald am See Färingen. Mit über 130km hatten wir aber dennoch einen neuen Rekord aufgestellt und waren nur noch wenige Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Hannes badete noch im See. Die anderen schrieben Briefe oder hörten Walk-Man. Der Tag endete mit unserem gemeinsamen Abendessen auf einem Felsen am See. In der Nacht störte uns zwar die eine oder andere Wurzel, da wir ja mitten im Wald zelteten, doch diese Nacht war auf jeden Fall erholsamer als die letzte.