06.07.98 · Ermenonville - Paris · 55,9 km
 

Der Himmel war bedeckt und ein leichter Wind streift über die île-de-France, als wir unsere letzte Etappe begannen. Zuerst fuhren wir vorbei an Feldern und am Flughafen Charles-de-Gaulle. Wir fühlten uns so ein bißchen wie die Fahrer bei der letzten Etappe der Tour de France. Gegen 12 Uhr erreichten wir Fontenay-en-Parisis. Dies ist der erste Vorort, wenn man sich von Nordosten Paris nähert. Fahrradwege nach Paris gab es viele, aber alle Wegbeschreibungen endten an den Toren von Paris. So begann eine ca. dreistündige nervenaufreibende Irrfahrt durch die Vororte Goussainville, Seine-ST.Denis, La Courneuve und Meaux. Über diese Orte hatte Hannes noch vor zwei Wochen im Französisch LK gesprochen: Hier stauen sich alle Probleme der Metropole Paris. Es war nicht gerade angenehm durch diese Orte zu fahren, und deshalb waren wir auch froh, als wir sie hinter uns hatten. Die Franzosen schauten uns verwundert an, da doch ein Fahrrad in Paris etwas sehr ungewöhnliches ist. Auch auf den Straßen war es sehr unangenehm zu fahren (teilweise mußten wir auf dreispurigen Straßen fahren, und einmal fanden wir uns auf dem Zubringer des Autobahnringes wieder), denn die Autofahrer nahmen keine Rücksicht. Nach ca. einer Stunde lag es dann völlig unerwartet vor uns: Das Stade de France, vielleicht das schönste Stadion in Europa. Wir nahmen uns aber nicht die Zeit, anzuhalten, sondern fuhren gleich weiter. Nach 2 1/2 Stunden, wir waren schon ganz genervt, schauten wir in eine große Strasse nach rechts: Da stand der Arc de Triomphe ! Wir befanden uns also auf der Avenue Charles-de-Gaulle. Gegen 15 Uhr fotografierten wir uns gegenseitig am Eingang des Bois du Boulogne, da hier das erste Ortseingangsschild Paris stand. Der Campingplatz von Paris entpuppte sich als der miserabelste, den wir je hatten: Er war superteuer, dreckig, lag direkt an eine stark befahrenen Straße und einem Hubschrauberlandeplatz, von der Seine war nichts zu sehen. Aber das Schlimmste kam noch: In den Steinboden konnte man keine Heringe einbohren. Nachdem wir endlich eine Stelle gefunden hatten, bauten wir die Zelte mehr schief als gerade auf. Im Moment waren wir alle sehr down: Die anstrengende Fahrt, der schlechte Campingplatz, und die Ungewissheit, wie wir unsere Farräder im Zug nach Deutschland mitbekommen sollten. Aber nun fuhren wir erstmal mit dem Bus (teuer !) zum Porte Maillot. Nach anfänglichen Problemen mit den Nummern der Metro stiegen wir schließlich am Châtelet aus. Die Stadt ist voller Leben. Erst als unser Team auf einer Brücke über der Seine stand, begriffen wir so richtig, was wir geschaft hatten: Von der Haustür in Soest bis nach Paris mit dem Rad !!! Wir waren glücklich und stolz, unser Ziel erreicht zu haben. Bonjour Paris et la Coupe du monde!