29.06.98 · Tilff - La Roche · 69,6 km
 


Wir schafften so gut wie Nichts am zweiten Ardennen - Tag. Der Himmel war bedeckt, und die Temperaturen fielen weiter, es war jetzt nur noch ca. 15°C (das im Hochsommer !). In Hamoir fragten wir ein älteres Ehepaar nach dem Weg nach Barvaux .
Sie waren die ersten dummen Belgier und antworten uns, nachdem sie auf unsere schwerbeladenen Räder schauten: "Tout-à-droit (dt:geradeaus), mais il y a un famouse montagne. HÄ HÄ HÄ HÄ !". Sechzig Minuten vor dem deutschen Achtelfinale waren wir mitten auf dem Land und noch ca. 20 km von der nächsten größeren Stadt La Roche - en - Ardenne entfernt. Hier gab es weder Fernsehen noch eine Übernachtungsmöglichkeit. So fuhren wir auf gebirgigen Straßen die 20 km in nur 50 Minuten (!!!), suchten in LReA schnell einen Campingplatz, bauten in "Bundeswehrmanier" unsere Zelte auf und
fuhren in windeseile in die Stadt. Als wir in einer Kneipe mit einer unfreundlichen Kellnerin endlich einen Fernseher fanden, hatte das Spiel erst seit fünf Minuten begonnen. Die zweite Halbzeit schauten wir uns dann in einer anderen Bar an, in der wir
ein exquisit klingendes "Croque Monsieur" bestellten, und einen labrigen Toast mit einer Salatscheibe bekamen. Nach dem Spiel (2:1 gegen Mexiko dank Oliver Bierhoff) aßen wir auf unserem Campingplatz Abendbrot. Der Campingplatz war sehr schön gelegen: Er lag in einer kleiner Waldschneise, die rechts von einem Berg, und links von dem Fluss Ourthe begrenz wurde. Um 21 Uhr schauten wir uns dann in einer anderen Kneipe das Spiel Niederlande - Jugoslawien (2:1) zusammen mit ca. 40 durchgeknallten Holländern an. Jedesmal, wenn ein Fan im Stadion auf einer Trompete blies, riefen alle Holländer "Aanverooij". Da sich Belgien insgesamt als teures Camperland erwieß, dachten wir, daß wir etwas sparen könnten, und tranken während der gesamten 110 Minuten nur ein (!) 0,3 l Jupiler - Bier. Als wir wieder auf dem Camping ankommen waren, mußten wir erschrocken feststellen, daß es auch hier kein Toilettenpapier gab.